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Folge 64 – August 26

Old Soccer ball on the green grass, top view

 Vor 100 Jahren:

Fußballtrainer und Rekord-Weltenbummler Rudi Gutendorf geboren

Vor 100 Jahren, am 30. August 1926, wurde er im Koblenzer Stadtteil Lützel geboren, mittlerweile steht er schon lange im Guinness-Buch der Rekorde als der Fußballtrainer mit den meisten internationalen Engagements (es sollen 55 gewesen sein!): Rudi Gutendorf, der einmal sagte: „Ich habe mein ganzes Leben nichts anderes gemacht als Fußball. Das ist mein Beruf geworden und ich liebe diesen Job.“

Tätig war er außer in Deutschland (dort u.a. beim Meidericher SV, VfB Stuttgart, Schalke 04, Kickers Offenbach, 1860 München, Fortuna Köln, TB Berlin, Hamburger SV, Hertha BSC) auch in Antigua und Barbuda, Australien, Bolivien, Botswana, Chile, China, Fidschi, Ghana, Grenada, Honduras, Iran, Japan, Mauritius, Nepal, Neukaledonien, Peru, Philippinen, Ruanda, Samoa, Schweiz, Simbabwe, Spanien, Tansania, Tonga, Trinidad und Tobago, Tunesien, USA und Venezuela.

Mit dem Fußball begonnen hat Rudi Gutendorf als Zehnjähriger beim VfB Lützel. Sein Vater Heinz hatte ihn mit seiner Fußballleidenschaft angesteckt. Ab 1939 – dem Jahr, in dem der der Zweite Weltkrieg begann – spielte der junge Rudi für den TuS Neuendorf, dessen Spielertrainer Josef „Jupp“ Gauchel (16 Länderspiele für Deutschland zwischen 1936 und 1942) zu seinem Vorbild wurde. 

Da nun immer mehr TuS-Spieler als Soldaten an die Front mussten (auch Rudis Vater Heinz wurde zur Wehrmacht eingezogen, er starb 1943 als deutscher Soldat), holte eben dieser Jupp Gauchel den 16-Jährigen Rudi Gutendorf 1942 als Rechtsaußen in die erste Mannschaft des TuS Neuendorf, die damals in der Gauliga Moselland spielte.

1944 wurde auch Rudi Gutendorf Soldat, hatte aber das Glück, nicht direkt an die Front zu müssen. 1945 geriet er in französische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung kehrte er heim nach Neuendorf und spielte dort wieder Fußball, und zwar nun in der Südwest-Staffel der deutschen Oberliga, der seinerzeit höchsten deutschen Klasse. 

Ab 1946 begann Gutendorf, nebenbei als Trainer zu wirken. 1953, im Alter von erst 27 Jahren, machte er unter dem damaligen Bundestrainer Sepp Herberger sein Trainerdiplom. Im Jahr 1955 übernahm er seinen ersten Trainerjob im Ausland, nämlich in der Schweiz beim FC Blue Stars Zürich; es folgte der FC Luzern, mit dem Rudi Gutendorf 1960 den Schweizer Vereinspokal gewann. Danach ging es für ihn erstmals nach Afrika, wo er auf Bitte der Bundesregierung den tunesischen Verein US Monastir, den Lieblingsklub des damaligen Staatspräsidenten von Tunesien, Habib Bourguiba, trainierte.

Alle nun noch folgenden Stationen lückenlos aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Rudi Gutendorf, der sich selbst als „Bunter Hund“ bezeichnete und dem nichts Menschliches fremd war, zog um die Welt (zum Teil in offiziellem Auftrag als Fußball-Entwicklungshelfer), übernahm aber zwischenzeitlich auch immer wieder deutsche Klubs. So z.B. den Meidericher SV (später „MSV Duisburg“), den er 1964 mit einer ausgetüftelten Defensivstrategie zum ersten Bundesligavizemeister machte, was ihm den Spitznamen „Riegel-Rudi“ einbrachte, den FC Schalke 04 (mit dem er 1969 Vizepokalsieger wurde) oder auch den HSV, bei dem 1977/78 aufgrund ständiger Reibereien mit Manager Peter Krohn nach nur 4 Monaten schon wieder Schluss war. 

Erst 2003 endete Rudi Gutendorfs abenteuerliche Trainerkarriere. Letztes Station des damals 76-Jährigen war Samoa. 

Sein Einsatz für den Fußball in aller Welt wurde auch staatlicherseits gewürdigt. 2011 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (Begründung: „Rudi Gutendorf hat als Weltenbummler und Botschafter des Fußballsports in einem über 50 Jahre währenden Einsatz einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet.“), 2023 wurde in seiner Heimat Koblenz-Neuendorf ein „Rudi-Gutendorf-Weg“ eingeweiht. 

Vier Jahre zuvor, am 13. September 2019, war Rudi Gutendorf im hohen Alter von 93 Jahren verstorben.

Norbert Voshaar

[Lit.: Rudi Gutendorf: „Ich bin ein bunter Hund“ (1987) / Hardy Grüne: „Geheuert, Gefeiert, Gefeuert – Die 250 vorzeitigen Trainerwechsel der Bundesligageschichte seit 1963“ (2000) / Wikipedia]