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Folge 65 – September 26

Old Soccer ball on the green grass, top view

 Bundesligaspiel Bochum – München: Der FCB siegt nach 0:4 noch mit 6:5!

Vor 50 Jahren, am 18. September 1976, kam es im Bochumer Ruhrstadion zu einem denkwürdigen und bis heute unvergessenen Fußball-Drama, das mehr als die seinerzeit anwesenden 17.000 Zuschauer verdient gehabt hätte.

Das Spiel vom 6. Bundesligaspieltag der Saison 1976/77 zwischen dem VfL Bochum dem FC Bayern München ist bislang das einzige Spiel der Fußball-Bundesliga, in dem eine Mannschaft einen 0:4-Rückstand noch in einen Sieg umwandeln konnte!

Dem FC Bayern, der am vorangegangenen Spieltag Neuling Tennis Borussia Berlin mit 9:0 deklassiert hatte (5 [!] Tore Gerd Müller, 3 Tore Karl-Heinz Rummenigge, 1 Tor Jupp Kapellmann), und der mit fünf 74er-Weltmeistern (Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Uli Hoeneß und Gerd Müller) antrat, drohte beim wie entfesselt aufspielenden VfL Bochum eine deftige Niederlage, denn durch zwei Tore von Harry Ellbracht sowie einen Treffer von Jupp Kaczor führten die Ruhrpottler zur Pause verdient mit 3:0 gegen die Münchner, die 4 Monate zuvor zum dritten Mal in Folge den Europacup der Landesmeister gewonnen hatten.

Doch nach dem 4:0 durch Hans-Joachim Pochstein in der 53. Minute mangelte es dem VfL wohl an Cleverness: er stellte seine Offensivbemühungen ein, obwohl die Mannschaft sich in der Halbzeit eigentlich vorgenommen hatte, „es den Bayern richtig zu zeigen“, wie sich VfL-Urgestein Jupp Tenhagen sich später erinnerte. 

Nachdem Karl-Heinz Rummenigge in der 55. Minute der Treffer zum 1:4 gelungen war, ging es Schlag auf Schlag weiter, und innerhalb von 20 Minuten machten die Bayern aus dem klaren Rückstand eine Führung: 2:4 Georg Schwarzenbeck, 3:4 und 4:4 Gerd Müller, 5:4 Uli Hoeneß. 

Als Jupp Kaczor in der 80. Minute noch einmal ausglich (5:5 hieß es nun!) hofften die Blau-Weißen, wenigstens einen Punkt retten zu können, aber in der 89. Minute sorgte Uli Hoeneß mit seinem Treffer zum 6:5 für den FC Bayern für die endgültige Entscheidung in diesem unglaublichen Spiel.

Am Ende der Saison 76/77 belegten die Bayern in der Bundesligatabelle Platz 7, der damals gerade so eben für die UEFA-Cup-Qualifikation reichte. Bemerkenswert: ihren 74 erzielten Treffern standen 65 (!) Gegentore gegenüber – bis heute Neagtiv-Rekord der Münchner.

Der „unabsteigbare“ VfL Bochum landete damals mit einem Punkt Vorsprung vor dem ersten Absteiger, dem Karlsruher SC, auf Rang 15 und hielt die Klasse (Meister wurde letztmals Borussia Mönchengladbach).

Die Akteure beim bis heute einmaligen Bochumer Jahrhundert-Spiel:

VfL Bochum: Werner Scholz, Hermann Gerland, Klaus Franke (ab 11. Minute Harry Elllbracht), Matthias Herget, Michael Lameck, Michael Eggert, Erich Miß, Jupp Tenhagen, Holger Trimhold, Hans-Joachim Pochstein, Jupp Kaczor (Trainer: Heinz Höher)

FC Bayern: Sepp Maier, Udo Horsmann, Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Björn Andersson, JuppKapellmann, Conny Torstensson (ab 85. Min. Rainer Künkel), Bernd Dürnberger, Uli Hoeneß, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge (Trainer: Dettmar Cramer)

7 Schützen erzielten die 11 Treffer: 1:0 Harry Ellbracht (24. Minute), 2:0 Jupp Kaczor (38.), 3:0 Harry Ellbracht (43.), 4:0 Hans-Joachim Pochstein (53.), 4:1 Karl-Heinz Rummenigge (55.), 4:2 Georg Schwarzenbeck (57.), 4:3 Gerd Müller (63.), 4:4 Gerd Müller (74.), 4:5 Uli Hoeneß (75.), 5:5 Jupp Kaczor (80.), 5:6 Uli Hoeneß (89.)

Norbert Voshaar [Lit.: Raphael Keppel: „25 Jahre Fußball-Bundesliga“ (1988) / Wikipedia]