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Folge 67 – November 26

Old Soccer ball on the green grass, top view

 Vor 85 Jahren:

Pokalfinale 1941: Titelverteidiger Dresdner SC schlägt Schalke 04 mit 2:1

Obwohl der verheerende Zweite Weltkrieg tobt, die deutsche Wehrmacht halb Europa besetzt hält und die Massendeportationen von Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager begonnen haben, wird im Herbst 1941 in Deutschland weiter Fußball gespielt.

Am 2. November 1941, also vor nunmehr 85 Jahren, kommt es dabei in Berlin zum deutschen Pokalendspiel zwischen Titelverteidiger Dresdner SC und Vizemeister Schalke 04 (S04 hatte das Meisterschaftsfinale gegen Rapid Wien am 22. Juni 1941 – dem Tag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion – mit 3:4 verloren). Der Pokalwettbewerb ist bei seiner Einführung 1935 nach dem NS-„Reichssportführer“ Hans von Tschammer und Osten benannt worden und heißt deshalb im Volksmund einfach „Tschammerpokal“.

An diesem Sonntag sehen 65.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion, wie der fünffache Deutsche Fußballmeister Schalke 04 seine zweite Finalniederlage in einem wichtigen Wettbewerb innerhalb von 4 ½ Monaten kassiert.

Die Mannschaft des Dresdner SC mit ihrem ausgezeichneten Sturm um die Nationalspieler Richard Hofmann und Helmut Schön (1972 als Bundestrainer Europameister, 1974 Weltmeister) betreibt von Beginn an ein druckvolles Spiel über die Flügel. Die Schalker, bei denen Kapitän Ernst Kuzorra angeschlagen in die Partie geht, scheinen hingegen zunächst noch müde von den vielen Reisen und Spielen zu sein, die sie zuletzt absolviert haben (sie mussten beispielsweise zwischen dem Pokal-Halbfinale und dem -Endspiel in Paris gegen eine deutsche Soldatenmannschaft antreten [3:1] und auf dem Rückweg in Brüssel gegen eine dortige Wehrmachtself [6:0]). 

Helmut Schön (li., DSC) und Fritz Szepan (re., S04) auf dem Titelblatt

des Programmheftes zum Tschammer-Pokalfinale 1941, herausgegeben

vom Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen


Von Anfang an bestürmen die Dresdner das Tor des Schalker Torhüters Hans Klodt. Einen Freistoß von Heiner Kugler entschärft Klodt noch (5. Minute), drei Minuten später jedoch muss er zum ersten Mal den Ball aus dem Netz holen, denn Kugler erzielt die DSC-Führung. Auch in der Folgezeit geben die Dresdner den Ton an. Die Gelsenkirchener erholen sich nur langsam vom Schock des frühen Gegentores. Schalke-Linksaußen Karl „Kalli“ Barufka (zu der Zeit kriegsbedingt bei Wilhelmshaven 05 aktiv, von S04 aber für das Finale angefordert) 

trifft zwar in der 37. Minute ins Tor der Sachsen, sein Treffer wird aber wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt. Das vermeintliche Abseitstor gibt den Königsblauen allerdings Auftrieb. Sie ziehen nun ihr gefürchtetes Kreiselspiel auf und setzen sich in der Hälfte der Dresdner fest. In der 51. Minute glückt ihnen tatsächlich der 1:1-Ausgleich, und zwar durch Ernst Kuzorra (Vorlage: Hermann Eppenhoff).

Der Schalker Jubel über das Ausgleichstor verstummt aber schnell, denn bereits zwei Minuten später liegen die Knappen wieder hinten. DSC-Linksaußen Gustav Carstens dribbelt erst an Hans Bornemann vorbei und hämmert anschließend den Ball aus spitzem Winkel zum 2:1 ins Tor. Die letzten 20 Minuten gehören zwar Schalke 04, mit Glück und einem jedes Loch stopfenden Helmut Schön bringt der Titelverteidiger jedoch das Ergebnis über die Zeit.

Damit sind die Dresdner die erste deutsche Mannschaft, die den Pokal zweimal hintereinander gewinnt – entsprechend groß fällt auch ihr Jubel aus.

Die Mannschaftsaufstellungen:

Dresden: Willibald Kreß, Karl Miller, Heinz Hempel, Herbert Pohl, Walter Dzur, Helmut Schubert, Heiner Kugler, Heinz Schaffer, Richard Hoffmann, Helmut Schön, Gustav Carsten; 

Trainer: Georg Köhler

Schalke: Hans Klodt, Hans Bornemann, Otto Schweisfurth, Bernhard Füller, Rudolf Gellesch, Herbert Burdenski, Ernst Kalwitzki, Fritz Szepan, Hermann Eppenhoff, Ernst Kuzorra, Karl Barufka; 

Trainer: Otto Faist

Norbert Voshaar [Lit.: „S04 verliert Pokalfinale gegen Dresden“ [Kalenderblatt 2.11.18] auf: https://schalke04.de/

Kalenderblatt/2-november-s04-verliert-pokalfinale-gegen-dresden/ / Gilbert Bringmann (Hg.): „Fußball-Almanach 1900-1943“ (1992) / Kicker-Almanach 2022 (2021)]